…écrire, c’est laisser une trace…

Aalborg August 2013

Leider kann ich nicht genau sagen, was diese Seite zu bedeuten hat. Ursprünglich war ich auf der Suche nach einem Hörbuch. Dabei stieß ich auf einen Titel, der mich an ein Gedicht erinnerte, das ich vor vielen Jahren las. Sein Name ist Menschenkind. Vor zehn Jahren begann ich auf einer Internetseite, selbstgeschriebene Gedichte erst zu lesen und dann selbst zu schreiben, um diese anschließend auch zu veröffentlichen. Diese Seite suchte ich gerade, um die Melancholie der Stunde zu nutzen, mich wieder in alte Zeiten hineinzuversetzen und musste feststellen, dass die Seite nicht mehr existiert und es anscheinend auch nur noch Seiten gibt, auf denen Menschen Gedichte suchen, um diese zu verwenden. Was ich suche – und was damals mein Leben veränderte, weil ich in eine ganz fremde, tiefsinnige Welt gezogen wurde – ist ein Ort, an dem (junge) Menschen ihre Emotionen, Gedanken, das Leben in Worte fassen. Einfach so. Nur, um sich auszudrücken, nicht um „richtig“ veröffentlicht zu werden. Wer sich angesprochen fühlt und nicht glaubt, ein Gedicht müsse sich reimen oder bis hin zur Unverständlichkeit künstlich bearbeitet sein, sei herzlich willkommen.

HB

Nachtrag vom 24. August 2015

Vor mehr als einem Jahr löschte ich alle Gedichte, Kurzgeschichten, Gedanken. Nun beschloss ich, weiterzuschreiben. Ich schrieb die ganze Zeit, eben nur nicht hier. Jetzt denke ich allerdings, dass es an der Zeit ist, meine Gedanken wieder zu teilen. Es ist viel passiert und da eine Freundin meint, ich solle schreiben, weil ich einfach so viel zu sagen hätte, möchte ich nicht mehr länger schweigen. Deutschland verändert sich, Europa verändert sich. Vor einigen Jahren schrieb ich ein Gedicht, in welchem ich die Besonderheit Leipzigs beschrieb. Dieses werde ich wieder veröffentlichen. Es ist auch Teil meines ersten Buches. Heute lese ich es, kann das Geschriebene auch noch nachvollziehen, aber dennoch spüre ich, dass Legida/Pegida ihre Spuren hinterließen. Leipzig ist nicht mehr die Stadt, die ich vor einem Jahr verließ. Heute durch die Straßen der Stadt meiner Studienzeit zu gehen ist nicht mehr so kraftspendend. Es ist kraftraubend, wie das Andere behandelt zu werden, die schwarze Frau, die einfach so hier ist. Die Luft ist spannungserfüllt. War ich vorher auffällig im von Weißen dominierten Leipzig, bin ich nun ein polarisierendes Objekt. Ich bin entmenschlicht, keine Person, sondern ein Ding, an welchem man zeigen kann, ob man ein „toleranter“ oder ein „besorgter“ Bürger ist. Entweder werde ich hasserfüllt und grob behandelt, oder übertrieben freundlich begrüßt. In beiden Fällen kommuniziert mein Gegenüber nicht auf Augenhöhe mit mir. In beiden Fällen zeigt mir das Verhalten meines Kommunikationspartners, dass ich ANDERS bin. Anders in einer scheinbar homogenen Gesellschaft. Was aber macht diese homogene Gesellschaft aus? Ich möchte auf meine beiden Kurzgeschichten „Therapiebedarf“ und „Heimat“ verweisen: Was ist normal und was ist dieses Europa, welches die Patrioten des Abendlandes beschützen möchten?

Alles, was ich hier schreibe, schreibe ich aus meiner eigenen Wahrnehmung heraus. Ich habe bisher nur mein eigenes Leben gelebt, mich nur in den von mir erlebten Situationen wiedergefunden, nur die Begegnungen mitgemacht, in denen  ich direkt involviert war. Ich kann und will also nicht auf die berühmte Frage „Was will der Autor damit sagen?“ antworten. Jeder nimmt alles anders wahr und auf. Wer mich dafür verurteilen will, ok. Man kann mir aber auch im Gespräch begegnen, mir eine andere Sichtweise erläutern und mich so zumindest nachempfinden lassen, was ich selbst aufgrund mangelnder Erfahrungen nicht in meine Kommentare einbeziehen konnte. Ich behaupte nicht, dass ich die Komplexität dessen, was ich hier anspreche, zur Gänze zu greifen vermag, glaube nicht an die Richtigkeit oder Falschheit meiner Worte und spreche ganz bestimmt nicht für irgendeine Gruppe. Ich richte mich hiermit nicht gegen etwas Bestimmtes, sondern spreche mich nur für kritisches Denken im Allgemeinen aus. Außerdem möchte ich jeden dazu ermuntern, seine eigene Lesart anzunehmen und jedem Lebewesen mit Respekt zu begegnen.

HB

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12 Antworten zu “…écrire, c’est laisser une trace…

  1. […]
    چشم ها را باید شست
    جور دیگر باید دید
    واژه ها را باید شست
    واژه باید خود باد
    واژه باید خود باران باشد
    چتر ها را باید بست
    زیر باران باید رفت

    […]
    We need to wash our eyes
    and view things differently.
    We should wash our words
    Words should be wind
    Words should be rain
    We should close the umbrellas
    And walk in the rain.

    Sohrab Sepehri

  2. Inside outsider

    Home is a foreign land
    that hurls the might of its confusion around the world.
    Strangers believe they know my bruises.
    The smallness of boxes
    that call eyes and rule them into a full sense of comfort.
    I will not live in boxes.
    They are not my home.
    Home is a laughter.
    Home is rounded figures.
    Home is a sharpened mental weapon to be wielded against foreigners of this spirit.
    I’m tired of being different.
    My feet burned from the fires of those who have been anointed with the certainty of origins.
    I will wander the earth in search of my tribe
    or build it from the shreds of boxes
    with my own head.

    Lebogang Mashile

  3. Friedrich Nietzsche

    Nur Narr! Nur Dichter!

    Bei abgehellter Luft,
    wenn schon des Taus Tröstung
    zur Erde niederquillt,
    unsichtbar, auch ungehört
    – denn zartes Schuhwerk trägt
    der Tröster Tau gleich allen Trostmilden –
    gedenkst du da, gedenkst du, heißes Herz,
    wie einst du durstetest,
    nach himmlischen Tränen und Taugeträufel
    versengt und müde durstetest,
    dieweil auf gelben Graspfaden
    boshaft abendliche Sonnenblicke
    durch schwarze Bäume um dich liefen,
    blendende Sonnen-Glutblicke, schadenfrohe.

    „Der Wahrheit Freier – du?“ so höhnten sie –
    „Nein! nur ein Dichter!
    ein Tier, ein listiges, raubendes, schleichendes,
    das lügen muss,
    das wissentlich, willentlich lügen muss,
    nach Beute lüstern,
    bunt verlarvt,
    sich selbst zur Larve,
    sich selbst zur Beute,
    das – der Wahrheit Freier?…

    Nur Narr! nur Dichter!
    Nur Buntes redend,
    aus Narrenlarven bunt herausredend,
    herumsteigend auf lügnerischen Wortbrücken,
    auf Lügen-Regenbogen
    zwischen falschen Himmeln
    herumschweifend, herumschleichend –
    nur Narr! nur Dichter!…

    Das – der Wahrheit Freier?…
    Nicht still, starr, glatt, kalt,
    zum Bilde worden,
    zur Gottes-Säule,
    nicht aufgestellt vor Tempeln,
    eines Gottes Türwart:
    nein! feindselig solchen Tugend-Standbildern,
    in jeder Wildnis heimischer als in Tempeln,
    voll Katzen-Mutwillens
    durch jedes Fenster springend
    husch! in jeden Zufall,
    jedem Urwalde zuschnüffelnd,
    dass du in Urwäldern
    unter buntzottigen Raubtieren
    sündlich gesund und schön und bunt liefest,
    mit lüsternen Lefzen,
    selig-höhnisch, selig-höllisch, selig-blutgierig,
    raubend, schleichend, lügend liefest…

    Oder dem Adler gleich, der lange,
    lange starr in Abgründe blickt,
    in seine Abgründe…
    – o wie sie sich hier hinab,
    hinunter, hinein,
    in immer tiefere Tiefen ringeln! –

    Dann,
    plötzlich,
    geraden Flugs,
    gezückten Zugs
    auf Lämmer stoßen,
    jach hinab, heißhungrig,
    nach Lämmern lüstern,
    gram allen Lamms-Seelen,
    grimmig gram allem, was blickt
    tugendhaft, schafmäßig, krauswollig,
    dumm, mit Lammsmilch-Wohlwollen…

    Also
    adlerhaft, pantherhaft
    sind des Dichters Sehnsüchte,
    sind deine Sehnsüchte unter tausend Larven,
    du Narr! du Dichter!…
    Der du den Menschen schautest
    so Gott als Schaf -,
    den Gott zerreißen im Menschen
    wie das Schaf im Menschen
    und zerreißend lachen –

    das, das ist deine Seligkeit,
    eines Panthers und Adlers Seligkeit,
    eines Dichters und Narren Seligkeit!“…

    Bei abgehellter Luft,
    wenn schon des Monds Sichel
    grün zwischen Purpurröten
    und neidisch hinschleicht,
    – dem Tage feind,
    mit jedem Schritte heimlich
    an Rosen-Hängematten
    hinsichelnd, bis sie sinken,
    nachtabwärts blass hinabsinken:

    so sank ich selber einstmals
    aus meinem Wahrheits-Wahnsinne,
    aus meinen Tages-Sehnsüchten,
    des Tages müde, krank vom Lichte,
    – sank abwärts, abendwärts, schattenwärts,
    von einer Wahrheit
    verbrannt und durstig
    – gedenkst du noch, gedenkst du, heißes Herz,
    wie da du durstetest? –
    dass ich verbannt sei
    von aller Wahrheit!
    Nur Narr! Nur Dichter!…

  4. IMMER WIEDER

    Immer wieder, ob wir der Liebe Landschaft auch kennen
    und den kleinen Kirchhof mit seinen klagenden Namen
    und die furchtbar verschweigende Schlucht, in welcher die anderen
    enden: immer wieder gehn wir zu zweien hinaus
    unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder
    zwischen die Blumen, gegenüber dem Himmel.

    RMR

  5. Abend

    Der Abend wechselt langsam die Gewänder,
    die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
    du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,
    ein himmelfahrendes und eins, das fällt;

    und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,
    nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
    nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend
    wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt –

    und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)
    dein Leben bang und riesenhaft und reifend,
    so daß es, bald begrenzt und bald begreifend,
    abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.

    Rainer Maria Rilke

  6. Minha alma é uma orquestra oculta: nao sei que instrumentos tangem e rangem, cordas e harpas, tímbales e tambores, dentro de mim. Só me conheco como sinfonia. Bernardo Soares.

      • Talvez tenhas razao dizendo que sou muitas…nem sei quem sou..se o soubesse nunca podia (ou seja tenia que) produzir esses meus textos que – de verdade – sao expressoes escritas desse estado de „ando perdida dentro de mim“…

      • Professor não é quem dá aulas. É quem dá lições. Não é aquele que vai à escola ensinar. É aquele cuja vida é uma escola. Mia Couto

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